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Kategorie: Bibelarbeiten
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Wer einen Menschen so schlägt, daß er stirbt, muß getötet werden. Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern Gott hat es seiner Hand widerfahren lassen, dann werde ich dir einen Ort bestimmen, wohin er fliehen soll.( 2.Mo 21,12-13)[1]

Hier wird die Situation eines Menschen beschrieben, der in eine ausweglose Situation geraten ist. Er hat einen anderen Menschen getötet! Versehentlich. Ohne Absicht. „Gott hat es seiner Hand widerfahren lassen.“

Diese Aussage ist schön und schrecklich zugleich. Der Mensch hat das große Unrecht begangen, einen anderen zu töten. Und doch ist er in gewissem Sinne schuldlos. Er wollte nicht so handeln, aber trotzdem ist es passiert. Gott hat es ihm widerfahren lassen. Es heißt hier allerdings auch nicht, dass Gott das Unglück verursacht hätte. Wenn ja, dann wären Zweifel an der Liebe und Güte Gottes durchaus angebracht. Doch im Bibeltext steht nur „widerfahren lassen“. Gott hat es also nicht verhindert, er hat es zugelassen, aber er hat es nicht bewirkt!

Doch obwohl der Mensch an der Situation nicht direkt Schuld hat, so muss er doch die Folgen davon tragen. Die Verwandten des getöteten Mannes haben das Recht, ihn zu töten um so den Tod zu rächen. Es gibt nur einen Ausweg: er kann in eine der Zufluchtsstädte fliehen, die Gott in seiner Gnade für eben solche Fälle ausgewählt hat. Nur dort ist er vor der Rache sicher.[2]

Auch wir können in unangenehme Situationen geraten, die wir nie gewollt haben. Manche Missgeschicke mögen auf eigenes Verschulden zurückzuführen sein. Aber oft wird man feststellen, dass sich Dinge trotz bester Absichten negativ entwickelt haben. Wenn ich dann unter den Folgen zu leiden habe, entsteht schnell ein Groll gegen Gott. Doch lehrt uns die Bibel, dass nicht Gott, sondern der Satan die Ursache des Bösen ist (auch wenn Gott es zulässt). Die Schlange (also Satan selbst, vgl. Off 12,9) verführte die ersten Menschen zur Sünde.[3] Bis heute hat er große Macht auf der Erde. Er hat es gerade auf die Gottesfürchtigen abgesehen, auf die Kinder Gottes, die dem himmlischen Vater so nahe stehen.[4]

Wie bei dem Totschläger kann es sein, dass ich die Folgen meiner ungewollten Taten tragen muss. Aber so, wie Gott für den Totschläger einen Zufluchtsort bereitet hat, so hat er auch uns einen solchen Ort bereitet, an dem wir uns sicher fühlen und zur Ruhe kommen dürfen:

„[Jesus spricht:] Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.“ (Mt 11,28)

„Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden.“ (Ps 46,2)

Wir müssen nicht an einen bestimmten Ort gehen. Wir dürfen direkt zu unserem Herrn Jesus Christus kommen. Egal, was uns widerfahren mag. Gerade in bedrückenden Situationen gilt uns die Verheißung des HERRN:

„[...] Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. 2 Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, [...] dein Retter. [...] 4 Weil du teuer bist in meinen Augen <und> wertvoll bist und ich dich liebhabe, [...] 5 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! [...]“ (Jes 43,1-5)

Gott liebt uns so sehr, dass er seinen eigenen Sohn in die Welt gesandt und am Kreuz hat sterben lassen, damit wir errettet werden.[5] Es gibt nichts im Himmel oder auf der Erde, was uns, die wir an ihn glauben, von dieser Liebe scheiden kann.[6] Deshalb brauchen wir auch in misslichen Lagen nicht zu verzweifeln, sondern dürfen auf ihn hoffen und auf ihn vertrauen.

Das Fragen nach den Gründen von Missgeschicken oder Schicksalsschlägen ist müßig. Jesus selbst zeigt bei verschiedenen Gelegenheiten, dass menschliche Antworten oft nicht die Wahrheit treffen und vieles Fragen daher nutzlos ist. Schicksalsschläge sind nicht zwingend die Folge eigenen Versagens oder eigener Schuld.[7] Manchmal kann Leiden sogar dazu beitragen, dass Gott seine Herrlichkeit offenbaren kann![8] Und selbst wenn das nicht der Fall ist, so hat er verheißen, dass selbst das zu unserem besten dienen wird.[9] Das mag hart klingen, aber es ist die Wahrheit, weil Gott es sagt. Lasst uns ihm vertrauen, auch wenn es schwer fällt!

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Zuflucht, vor wem sollte ich erschrecken?“ (Ps 27,1)

 

Fußnoten

[1] Alle Bibelstellen werden nach der Revidierten Elberfelder Bibelübersetzung (R. Brockhaus Verlag) zitiert. <zurück>
[2] 4.Mo 35,9-12 Und der HERR redete zu Mose und sprach: 10 Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Wenn ihr über den Jordan in das Land Kanaan zieht, 11 sollt ihr euch Städte bestimmen: Zufluchtsstädte sollen sie für euch sein, daß dorthin ein Totschläger fliehe, der einen Menschen aus Versehen erschlagen hat. 12 Und die Städte sollen euch als Zuflucht vor dem Rächer [w. Löser; d. h. der nächste Verwandte] dienen, damit der Totschläger nicht sterbe, bis er angesichts der Gemeinde vor Gericht gestanden hat. <zurück>
[3] 1.Mo 3,1 Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen? [...]

Offb 12,9 Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. <zurück>
[4] Das Buch Hiob gibt, besonders in den ersten beiden Kapiteln, einen guten Eindruck davon, wie groß der Einfluss Satans ist.

1.Petr 5,8-9 Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Dem widersteht standhaft durch den Glauben, [...]

Eph 2,1-2 Auch euch <hat er auferweckt>, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, 2 in denen ihr einst wandeltet gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. <zurück>
[5] Joh 3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. <zurück>
[6] Röm 8,35-39 Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: "Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden." 37 Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, 39 weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Joh 10,27-30 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 29 Mein Vater, der <sie> mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann <sie> aus der Hand <meines> Vaters rauben. 30 Ich und der Vater sind eins. <zurück>
[7] Lk 13,1-5 Zu dieser Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte. 2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? 3 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. 4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie tötete: meint ihr, daß sie vor allen Menschen, die in Jerusalem wohnen, Schuldner waren? 5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. <zurück>
[8] Joh 9,3 Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.

Joh 11,4 Als aber Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde. <zurück>
[9] Röm 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach <seinem> Vorsatz berufen sind. <zurück>